Coburg – Wie könnte ein Stall aussehen, in dem Esel und Schafe leben und in dem zugleich Kinder und Jugendliche mit Tieren arbeiten? Mit dieser Frage haben sich Architekturstudierende der Hochschule Coburg befasst. Konzepte für das Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken erarbeiteten sie im Projekt „Green Campus, Bayreuth – Therapiestall“. Das teilte die Hochschule Coburg mit. Vorgestellt wurden die Arbeiten beim Kreiserntedankfest.
Ein Stall mit mehreren Aufgaben
Der Bezirk will das Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth weiterentwickeln. Geplant ist ein Stall, der Eseln und Schafen ein Zuhause gibt und auch für tiergestützte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen taugt. Dabei arbeitet der Bezirk mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie Bayreuth zusammen.
Angeregt hat das Projekt Sebastian Thiem, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Er war auf frühere Stallentwürfe der Hochschule aufmerksam geworden. Unter Prof. Dr. Rainer Hirth, der an der Fakultät Design + Bauen Konstruieren und Entwerfen lehrt, hatten Studierende zuvor einen Stall für 20 Milchkühe geplant. Im Sommersemester 2026 untersuchten sie nun das Gelände und die Geschichte der Lehranstalten. Es entstanden sechs unterschiedliche Entwürfe samt Modellen. Thiem sagt, die Studierenden seien die Aufgabe „von der ersten Minute an mit Leidenschaft“ angegangen.
Erster Preis für Eiermann und Rölcke
Bezirkstagspräsident Henry Schramm würdigte die Ideen bei der Präsentation. Seiner Einschätzung nach handle es sich um „sehr gute Ansätze, um die Landwirtschaftlichen Lehranstalten für die Zukunft fit zu machen“.
Linda Eiermann und Janina Rölcke wurden mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Ihr Entwurf trägt den Titel „Landwirtschaft gemeinsam erleben – die Landwirtschaftsschule Bayreuth als ein Ort der Bildung, Therapie und Gemeinschaft für alle“. Er unterteilt die Begegnung mit den Tieren in mehrere Stationen: Zuerst kommen die Besucher an und schauen zu, dann machen sie gemeinsam mit, etwa beim Füttern oder Streicheln, und schließlich halten sie sich im Stall oder im Garten auf. Wer eine Pause braucht, findet Orte zum Ausruhen und Nachdenken.
Das Thema Therapie hatten die Studierenden im vierten Semester bislang noch nicht behandelt. „Ein Stall ist auch keine klassische Architekturaufgabe“, sagt Janina Rölcke. Die frühere Beschäftigung mit Stallarchitektur half beim Einstieg. Besonders spannend fanden sie es, sich in die Möglichkeiten tiergestützter Interventionen hineinzudenken.
Keine fertigen Baupläne
Bei den Arbeiten der Studierenden handelt es sich nicht um Ausführungspläne. Sie sollen Anregungen für die weitere Entwicklung der Lehranstalten und des geplanten Therapiestalls geben. Gebaut werden soll der Stall in den nächsten Jahren. TV Oberfranken berichtete über die Vorschläge der Studierenden für den neuen Lern- und Mitmachstall in der Sendung „Der Bezirk – Das Magazin“.
Eigene Einschätzung
Dass angehende Architekten ein ungewohntes Thema wie Tiertherapie bearbeiten, ist für das Projekt ein Gewinn: Es entstehen Ideen ohne Routineblick. Offen bleibt, welche Elemente der Entwürfe später wirklich einfließen und wer über die Auswahl entscheidet. Dazu sagt die Mitteilung nichts. Interessierte sollten die weitere Planung des Bezirks im Blick behalten.













