Coburg – Gleich zwei von drei Hauptpreisen beim bundesweiten Hochschulwettbewerb „New Learning Spaces“ gehen nach Coburg. Das teilte die Hochschule Coburg mit. Ausgezeichnet wurden zwei Studentinnen des Masterstudiengangs Design: Jule Merkelbach belegt mit „Learning in Pieces“ den zweiten Platz, Franziska Pfeuffer erhält für „Begegnung ist die beste Lehre!“ den dritten Preis.
Am Wettbewerb beteiligten sich Studierende aus acht Hochschulen. Die Aufgabe lautete, zu klären, wie sich bestehende Hochschulgebäude in zeitgemäße Lernorte umbauen lassen. Insgesamt wurden 23 Entwürfe eingereicht. Die Jury achtete unter anderem auf gestalterische Qualität, Funktionalität, Nutzerorientierung, Nachhaltigkeit und darauf, wie neue Lernformen umgesetzt werden.
Module für vier Lernzustände
Merkelbach entwirft ein flexibles System aus kombinierbaren Modulen. Es beruht auf vier Lernzuständen: konzentrierten Stabilisationsphasen, kreativen Explorationsprozessen, interaktivem Austausch und ruhiger Reflexion. Die Module lassen sich je nach Bedarf zusammenstellen, etwa zum individuellen Arbeitsplatz, zu Workshop- und Begegnungsräumen, zu Makerspaces oder zu Rückzugsorten.
Die Studentin sagt, ihr Entwurf übersetze diese Zustände in flexible Raumstrukturen, statt unkritisch Trends wie offenem Lernen und Desksharing zu folgen. So entstehe ein inklusiver Ort, der Orientierung biete und selbstbestimmtes Lernen ermögliche. Der zweite Platz sei für sie „eine wertvolle Bestätigung“.
Flure als Orte der Begegnung
Pfeuffer stellt den Austausch zwischen Menschen in den Mittelpunkt. Ihr Konzept wertet vor allem Flure und andere Zwischenräume auf. Diese sollen mehr leisten, als Räume zu verbinden: Hier sollen Menschen sich spontan treffen, zusammenarbeiten, sich bewegen und verweilen können. Dafür entwickelte sie ein modulares und mobiles Möbelsystem und richtete den Raum entsprechend flexibel ein.
Das Verständnis von Lernräumen sei oft noch sehr statisch, erklärt Pfeuffer. Deshalb habe sie den Fokus bewusst auf spontane, ungeplante und interdisziplinäre Begegnung gelegt.
Ausgangspunkt in Essen
Grundlage der Aufgabe war das ZPL-Gebäude R12 am Campus Essen der Universität Duisburg-Essen. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verwaltet es, sein geplanter Umbau war der Anlass für den Wettbewerb. Durchgeführt wurde er vom Büro bkp zusammen mit dem Betrieb, der Lindner Group und der Universität Duisburg-Essen. Die Preise überreichten Heiner Kolde, Geschäftsführer von bkp Düsseldorf, Matthias Quinkert, Brand Manager der Lindner Group, sowie Till Neschen vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der die Niederlassung in Duisburg leitet.
Beide Arbeiten entstanden in einem Entwurfsprojekt im Masterstudiengang Design bei Prof. Mark Phillips. Die Aufgabe habe darin bestanden, ein Gebäude nicht einfach neu einzurichten, sondern seine räumlichen Möglichkeiten zu erkennen, sagt er. Prof. Dr. Michael Heinrich, Mentor im Schwerpunkt Humanorientierte Architektur und Gestaltung am Institut Mensch & Ästhetik, betont, bei Lernräumen gehe es nicht nur um Möbel oder Raumaufteilung. Entscheidend sei, wie Menschen miteinander arbeiten, Wissen entwickeln und sich konzentrieren können.
Eigene Einschätzung
Beide Entwürfe setzen bei Alltäglichem an: dem Arbeitsplatz, der sich dem Bedarf anpasst, und dem Flur, der mehr sein darf als ein Durchgang. Das ist nachvollziehbar und leicht vorstellbar. Offen bleibt, ob und wie sich solche Ideen in realen Gebäuden umsetzen lassen. Dazu schweigt die Mitteilung, ebenso zu Kosten und zum Platzbedarf.













