Amberg – Die OTH Amberg-Weiden gehört seit Kurzem zur Global Coalition of Ukrainian Studies (GCUS), einem internationalen Netzwerk von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Präsident Prof. Dr. med. Clemens Bulitta unterschrieb das Memorandum of Cooperation am 15. Oktober 2026 in der Orange Lounge in Weiden. Die Hochschule sieht darin einen weiteren Schritt nach zahlreichen Projekten mit ukrainischen Partneruniversitäten. Sie erhofft sich davon neue Chancen für Forschung, Lehre und den internationalen Austausch.
Mit der Unterschrift begann der KOMOvino-Abend, zu dem das Kompetenzzentrum Bayern-Mittel- und Osteuropa (KOMO) eingeladen hatte. Für die Koalition war der ukrainische Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer Ostap Ukrainets nach Weiden gekommen. Das offizielle Zertifikat über die Mitgliedschaft händigte er der Hochschule persönlich aus. Der Termin gehörte zur „Ukrainian Week in Germany“, die vom 12. bis 16. Oktober 2026 an mehreren Hochschulen in Deutschland abgehalten wurde. Nach dem Festakt eröffneten die Gäste den Abend mit einer Weinverkostung. Danach diskutierten sie mit dem Journalisten Ondřej Kundra, der investigativ arbeitet, über die gegenwärtige Situation rund um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Was die Koalition ist
Die GCUS ist eine internationale Wissenschaftsinitiative, die der ukrainische Staat unterstützt. Auch Olena Selenska unterstützte die Gründung im Juli 2024. Die Koalition verbindet Hochschulen und Forschungseinrichtungen weltweit. Im Juli 2026 zählte die Koalition bereits 100 Institutionen aus 27 Ländern.
Die GCUS fasst Ukraine-Studien weit. Neben Sprache, Geschichte und Kultur gehören auch Digitalisierung, Ingenieurwissenschaften, Energie, Gesundheit und Management dazu, außerdem der Wiederaufbau des Landes. Für die OTH Amberg-Weiden ergeben sich daraus nach eigener Darstellung viele Anknüpfungspunkte zu ihrem anwendungsorientierten Profil.
Jahre der Zusammenarbeit
Der Beitritt folgt auf eine Kooperation, die über Jahre gewachsen ist. Insgesamt 15 ukrainische Bachelor- und Masterstudierende erhielten zwischen Januar 2023 und Juli 2025 Unterstützung von KOMO, und zwar im Projekt UAre@OTHAW innerhalb des DAAD-Programms „Zukunft Ukraine“. Sie erhielten Stipendien, Sprachkurse und individuelles Coaching.
Aktuell entsteht im Projekt TANDEM-UA-DE zusammen mit sechs Universitäten aus der Ukraine ein deutsch-ukrainischer Parallelstudiengang in Digital Technology and Management. Das Projekt wird vom DAAD im Programm „Deutsch-Ukrainisches Hochschulnetzwerk“ gefördert, das Geld stammt aus Mitteln des BMFTR. Im Sommersemester 2026 starteten fünf gemeinsam entwickelte Module mit insgesamt 94 Studierenden. Ukrainische Professorinnen und Professoren unterrichten sie im „Dual Lecture“-Format, fachlich begleitet von der OTH AW.
Die Basis dafür legte das Vorgängerprojekt DILLUGIS im DAAD-Programm „Ukraine digital“. Darüber konnten Studierende aus der Ukraine während der ersten Kriegsjahre Veranstaltungen der OTH Amberg-Weiden digital besuchen und so trotz widriger Umstände weiterstudieren.
TANDEM-UA-DE koordinieren Prof. (NU ZP, Ukraine) Dr. Kateryna Antoniuk sowie Prof. (NU ZP, Ukraine) Dr. Dmytro Antoniuk von der Nationalen Universität „Saporischschja Polytechnik“. Beide mussten selbst die Ukraine verlassen und sind seit DILLUGIS an der OTH AW tätig. Sie sind Ansprechpartner der ukrainischen Partnerhochschulen und waren auch in die Vorbereitung des Beitritts eingebunden.
Prof. Dr. Julia Heigl, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Internationales und Leiterin von TANDEM-UA-DE, sagte, die Zusammenarbeit mit ukrainischen Hochschulen sei „längst mehr als Solidarität“. Die Hochschule entwickle gemeinsam Lehre, Studienangebote und Strukturen. Mit dem Beitritt mache sie diese Erfahrung in einem internationalen Netzwerk sichtbar und bringe ihr anwendungsorientiertes Profil in den Wiederaufbau des ukrainischen Hochschulsystems ein.
KOMO an der OTH Amberg-Weiden fördert den Austausch mit Partnern in Mittel- und Osteuropa und unterstützt Hochschulpartnerschaften, Forschungsprojekte und studentische Mobilität. KOMOvino ist ein regelmäßiges Angebot des Zentrums, bei dem Hochschule, Gäste und Öffentlichkeit sich zwanglos austauschen können.
Auf einen Blick
- Unterzeichnung: 15. Oktober 2026, Orange Lounge in Weiden
- Anlass: KOMOvino-Abend des Kompetenzzentrums Bayern-Mittel- und Osteuropa (KOMO)
- „Ukrainian Week in Germany“: 12. bis 16. Oktober 2026
- Ansprechpartner der ukrainischen Partnerhochschulen: Prof. Dr. Kateryna Antoniuk sowie Prof. Dr. Dmytro Antoniuk
Hintergrund
Das Projekt TANDEM-UA-DE ist auf vier Jahre angelegt, wie die Hochschule auf ihrer Website schreibt. Es soll die akademische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine systematisch vertiefen. Studierende sollen künftig gemeinsam von der OTH Amberg-Weiden und von Hochschulen aus der Ukraine einen doppelten Abschluss erwerben können. Geplant sind unter anderem gemeinsame Lehrveranstaltungen, Austausch und Praktika für Studierende aus beiden Ländern sowie ein Netzwerk aus Teilnehmenden und Alumni.
Mehr als 600 Studierende von sechs ukrainischen Universitäten konnten dank DILLUGIS zwischen Juli 2022 und Juni 2025 ihr Studium fortsetzen. Dabei belegten sie über 30 digitale Kurse und Module im Bachelorstudiengang Digital Technology and Management. Die Gesamtförderung der Projekte DILLUGIS und TANDEM-UA-DE liegt bei über einer Million Euro.
Im Projekt UAre@OTHAW erhielten von Januar 2023 bis Juli 2025 insgesamt 15 Studierende ein monatliches Stipendium, fünf davon im Master und zehn im Bachelorstudium. Das Netzwerk der Hochschule wuchs laut ihrer Website von einer ukrainischen Partnerschaft im Jahr 2014 auf 14 Partnerhochschulen im Jahr 2025.
Eigene Einschätzung
Der Beitritt bündelt vor allem, was in Weiden und Amberg schon läuft, und macht es international sichtbarer. Ob die Mitgliedschaft über Symbolik hinaus etwas auslöst, hängt von neuen gemeinsamen Vorhaben ab. Dazu nennt die Mitteilung noch nichts Konkretes. Offen bleibt auch, welche Pflichten und Vorteile eine Mitgliedschaft hat.













