Gößweinstein-Burg-und-Basilika (Gößweinstein)
Symbolbild: Forchheim (Gößweinstein) · Foto: ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Datei · Lizenz)
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Bayreuth – Zwischen Willersdorf und Hallerndorf wurde ein bislang abgetrennter Altarm wieder an die Aisch angebunden. Den Anschluss hat der Fischereiverein Willersdorf-Haid hergestellt, wie der Bezirk Oberfranken mitteilte. Der neu zugängliche Gewässerbereich soll Fischen als Rückzugsraum, Laichgebiet und Kinderstube dienen und die Artenvielfalt fördern. Fachlich begleitet wird das Vorhaben von der Fischereifachberatung des Bezirks. Sie will herausfinden, wie sich der Fischbestand durch den Anschluss verändert.

Bestandsaufnahme vor dem Anschluss

Dazu führen die Fachberatung und der Fischereiverein gemeinsam ein Fischmonitoring durch. Wenige Tage bevor der Altarm Anfang Oktober angebunden wurde, untersuchten die Fachleute den Fischbestand an mehreren Stellen: im abgetrennten Altwasser und in der angrenzenden Aisch. Diese erste Erhebung ist der Ausgangspunkt für einen späteren Vergleich von Zustand vor und nach der Maßnahme.

Die beiden Gewässer unterschieden sich deutlich. Im isolierten Altarm fanden sich überwiegend Giebel. Diese Fische kommen auch mit wenig Sauerstoff im Wasser vergleichsweise gut zurecht. Einzelne Bitterlinge gab es dort ebenfalls. Sie sind vermutlich bei einem früheren Hochwasser dorthin gelangt. In der Aisch lebten dagegen mehr Arten, darunter Welse, Flussbarsche, Lauben, Gründlinge und Bitterlinge.

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Jarno Fuchs von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken war an der Untersuchung beteiligt. Er sagte, die Lebensbedingungen in Altarm und Fluss seien sehr verschieden. Durch den Anschluss könnten nun weitere Fischarten den Altarm besiedeln. „Gerade für Jungfische sind solche strömungsberuhigten Bereiche als Rückzugsraum und Kinderstube besonders wertvoll“, so Fuchs. Zudem könne die Verbindung zur Aisch verhindern, „dass das Gewässer in trockenen Sommermonaten austrocknet und dadurch Fische verenden“.

Bagger, Totholz und neue Ufergehölze

Die Baggerarbeiten begannen Mitte September. Dabei trugen die Arbeiter rund 1.500 Kubikmeter unbelasteten Boden aus dem Hochwassergebiet ab. Nach Ende der Erdarbeiten sollen weitere ökologische Maßnahmen folgen. Wurzelstöcke, Totholz und sogenannte Rauhbäume sollen im Wasser zusätzliche Strukturen und Verstecke schaffen, vor allem für Jungfische. Am Ufer sind Erlen und Weiden vorgesehen. Sie sollen Schatten werfen, die Böschung festigen und weiteren Tieren Lebensraum bieten. Nach Angaben des Bezirks können auch Amphibien, Vögel und andere Tierarten von den strukturreichen Ufer- und Wasserbereichen profitieren.

Wer das Projekt trägt und bezahlt

Der Fischereiverein Willersdorf-Haid setzte die Wiederanbindung mit Unterstützung des Landesfischereiverbands Bayern um. Mitgeholfen haben außerdem der Bezirksfischereiverband Oberfranken, die Fischereifachberatung sowie weitere Behörden und Partner. Die Gesamtkosten liegen bei rund 35.000 Euro. 80 Prozent davon stammen aus Mitteln der Bayerischen Fischereiabgabe. Die übrigen 20 Prozent, rund 7.000 Euro, zahlt der Verein selbst. Seine Mitglieder hatten dem Eigenanteil bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2026 zugestimmt.

Die Fischereifachberatung wird die Entwicklung im angebundenen Altarm weiter beobachten. Für 2028 ist eine neue Befischung der bereits untersuchten Gewässerabschnitte geplant. Der Vergleich mit der ersten Erhebung soll zeigen, welche Fischarten im neuen Lebensraum angekommen sind und wie sich die Artenvielfalt entwickelt hat. Die Erkenntnisse können laut Mitteilung auch helfen, künftige Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Fließgewässern fachlich zu beurteilen.

Auf einen Blick

  • Ort: zwischen Willersdorf und Hallerndorf, Altarm der Aisch
  • Baggerarbeiten: seit Mitte September
  • Wiederanbindung: Anfang Oktober
  • Gesamtkosten: rund 35.000 Euro, davon 80 Prozent aus Mitteln der Bayerischen Fischereiabgabe
  • Eigenanteil des Fischereivereins: 20 Prozent, rund 7.000 Euro
  • Erneute Befischung: 2028

Hintergrund

Wie Fischbestände in Fließgewässern untersucht werden, beschreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt in einer Broschüre zur biologischen Gewässeranalyse. Als schonendste Methode nennt es die Elektrofischerei. Dabei müssen alle Lebensräume eines Gewässers repräsentativ erfasst werden. Genannt werden Kiesbänke, Rauschen und Altarme.

Für die Bewertung vergleichen die Fachleute den aktuellen Fischbestand mit einer sogenannten Referenzzönose. Sie wird laut Landesamt für jeden zu untersuchenden Gewässerabschnitt in Bayern einzeln erstellt.

Im Experteninterview auf dem Klimaportal der Staatsregierung weist Prof. Jürgen Geist darauf hin, dass trockenfallende Gewässer in Bayern schon mehrmals in den vergangenen Jahren Probleme wie ein Fischsterben ausgelöst hätten. Wärmeres Wasser nimmt zudem weniger Sauerstoff auf, den höhere Lebewesen brauchen.

Geist nennt auch Ufergehölz als Faktor: Fehlender Uferbewuchs wirke sich stark auf die Wassertemperatur aus. Naturnahe Gewässer mit breiteren Uferrandstreifen könnten helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern.

Eigene Einschätzung

Das Projekt ist gut angelegt, weil der Verein den Zustand vorab untersuchen ließ und später nachprüfen will, ob der Aufwand etwas gebracht hat. Offen bleibt, wie schnell Fische den Altarm tatsächlich annehmen und ob er auch in langen Trockenphasen Wasser führt. Das lässt sich erst nach der zweiten Befischung beurteilen. Interessant wäre, welche Erkenntnisse der Verein dann weitergibt.

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