Wirtschaftstag der Region Bayreuth: Gemeinsam die Fachkräfte von morgen stärken
Die Zukunft der beruflichen Ausbildung wurde am Donnerstag, 5. November, in Bayreuth nicht nur diskutiert, sondern gleich vor Ort erlebbar: Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Schulen, Kammern, Institutionen und regionalen Netzwerken kamen zum ersten Wirtschaftstag der Region Bayreuth in der neuen Staatlichen Berufsschule I zusammen. Unter dem Motto „Stadt.Land.Wirtschaft. – Ausbildung.Zukunft.Gestalten.“ ging es um nichts weniger als die Frage, wie die Region ihre Fachkräfte von morgen gewinnt, ausbildet und langfristig hält.
Dass die neue Berufsschule noch nicht vollständig eröffnet ist und in einigen Bereichen noch gebaut wird, tat der Veranstaltung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Gäste konnten sich unmittelbar ein Bild davon machen, wie hier ein moderner Lern- und Innovationsort entsteht – mit hervorragend ausgestatteten Werkstätten, flexiblen Lernräumen und einer Architektur, die den Anspruch einer zeitgemäßen beruflichen Bildung sichtbar macht.
Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel unterstrich die Bedeutung der Berufsschule: „Die neue Berufsschule I ist weit mehr als ein modernes Schulgebäude. Sie ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts. Hier werden junge Menschen auf die Arbeitswelt von heute und morgen vorbereitet und mit den beruflichen Möglichkeiten in unserer Region verbunden.“ Auch der stellvertretende Landrat Klaus Bauer betonte, dass die Fachkräftesicherung ein abgestimmtes Vorgehen und eine enge Zusammenarbeit der regionalen Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis erfordere.
Junge Menschen für die Region gewinnen
Wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig mit beruflichen Perspektiven vor Ort vertraut zu machen, verdeutlichte Sebastian Norck, Leiter der Regionalen Entwicklungsgesellschaft im Landkreis Bayreuth. Die Kampagne „Stay in Bayreuth“ und praxisnahe Einblicke in Unternehmen, etwa durch die BUS-Touren der Wirtschaftsförderungen, sollen dazu beitragen, junge Menschen für Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsmöglichkeiten in der Region zu gewinnen.
Schulleiter Thomas Hofmann stellte das zukunftsorientierte Konzept der Berufsschule I vor. Angesichts einer vielfältigen Schülerschaft brauche es individuelle Lernwege, selbstständiges Arbeiten und neue Formen des gemeinsamen Lernens. Auch Künstliche Intelligenz könne Lernprozesse gezielter unterstützen. „Wir wollen weg vom Einheitslernen und hin zu maßgeschneiderten Lernmöglichkeiten. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen und Potenziale mit. Unser Anspruch ist es, diese zu erkennen und bestmöglich zu fördern“, so Hofmann.
Die Berufsschule I versteht sich dabei nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern als offenes Haus für Begegnung, Vernetzung und Innovation sowie als Partner der regionalen Wirtschaft. Zusätzliche Qualifikationen und Entwicklungsmöglichkeiten sollen berufliche Perspektiven eröffnen. Auch Schnittstellen zum Regionalen Innovationszentrum (RIZ) bieten Chancen für die weitere Zusammenarbeit.
Zukunftskompetenzen statt Ausbildung nur für den Berufseinstieg
Einen zentralen Impuls lieferte die Keynote von Silke Eilers vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen. Unter dem Titel „Die Zukunft der Arbeit beginnt in der Ausbildung“ zeigte sie, wie KI, Digitalisierung und demografischer Wandel die Arbeitswelt verändern. Ihre Botschaft: Ausbildung muss junge Menschen nicht nur auf den ersten Arbeitsplatz vorbereiten, sondern auf ein ganzes Berufsleben im Wandel. Dafür braucht es neben Fach- und Praxiswissen auch Zukunftskompetenzen wie Lernfähigkeit, Teamgeist und KI-Kompetenz.
Eilers benannte vier Handlungsfelder: Beschäftigungsfähigkeit sichern, Lernen individueller und gemeinschaftlicher gestalten, Ausbildung attraktiver und zugänglicher machen sowie die berufliche Bildung insgesamt stärken und sichtbarer positionieren.
Vier Workshops mit konkreten Ansätzen für die Fachkräftesicherung
Beim Thema „Frauen für Technik begeistern“ standen eine frühe, klischeefreie Berufsorientierung, weibliche Vorbilder und praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. Gleichzeitig müssen Unternehmen eine offene Unternehmenskultur, familiengerechte Arbeitsbedingungen und echte Entwicklungsperspektiven bieten. Die zentrale Erkenntnis: Frauen für Technik und Handwerk zu gewinnen, reicht nicht – sie müssen auch langfristig gute berufliche Bedingungen vorfinden.
Der Workshop „Ausbildung neu denken“ beschäftigte sich mit neuen Wegen der Nachwuchsgewinnung, einer stärkenorientierten Berufsorientierung und der Vermittlung von Zukunftskompetenzen. Deutlich wurde, dass erfolgreiche Ausbildung eine enge Zusammenarbeit von Schulen, Unternehmen, Kammern, Eltern und weiteren Akteuren voraussetzt.
Im Workshop „KI in der Ausbildung“ konnten verschiedene Anwendungen praktisch erprobt werden. Dabei zeigte sich das Potenzial Künstlicher Intelligenz, Lernprozesse anschaulicher zu gestalten und komplexe Aufgaben zu erleichtern. Einigkeit bestand darin, dass KI selbstständiges, problemlösendes und kritisches Denken unterstützen, aber nicht ersetzen soll.
Wie die „Integration internationaler Auszubildender“ gelingen kann, zeigten Referentinnen des DIHK-Netzwerks „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Sie stellten Unterstützungsangebote vom Preboarding über das Ankommen bis zur langfristigen Mitarbeiterbindung vor. Praxisbeispiele des BRK Bayreuth und die Welcome Services der Stadt Bayreuth verdeutlichten, wie Unternehmen bei der Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte begleitet werden können.
Begegnung, Vernetzung und ein Blick in die Zukunft
Ein Marktplatz mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Bildung und Arbeitsmarkt bot zusätzliche Gelegenheit zum Austausch und machte die vielfältigen Unterstützungsangebote der Region sichtbar. Bei Führungen durch die neue Berufsschule erhielten die Gäste Einblicke in die modernen Werkstätten und flexiblen Lernbereiche.
Organisiert wurde der erste Wirtschaftstag von den Wirtschaftsförderungen der Stadt und des Landkreises Bayreuth gemeinsam mit Netzwerkpartnern aus Kammern, Institutionen und beruflicher Bildung, moderiert wurde die Veranstaltung von Franziska Horn.
„Was wir an diesem Tag erlebt haben, ist genau das, was wir mit dem Wirtschaftstag erreichen wollten: Menschen zusammenbringen, die an unterschiedlichen Stellen Verantwortung für die Zukunft unserer Region tragen. Die Gespräche, die neuen Kontakte und die gemeinsamen Ideen sind ein wichtiger Ausgangspunkt, um die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Schulen und Institutionen weiter zu stärken“, lautet das Fazit der Projektverantwortlichen Eva Rundholz.
Der Wirtschaftstag soll künftig jährlich stattfinden, im kommenden Jahr im Landkreis Bayreuth.
Die Botschaft des Tages: Die Fachkräfte von morgen gewinnt man nicht allein durch gute Stellenangebote. Es braucht attraktive Ausbildungsbedingungen, moderne Lernorte, engagierte Unternehmen und eine Region, die ihre Chancen gemeinsam nutzt. Der erste Wirtschaftstag der Region Bayreuth hat dafür einen wichtigen Anfang gemacht.
Die Veranstaltung wurde mit Regionalmanagementmitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.













