Miltenberg – Lachen, mitspielen und nebenbei lernen, wie man mit Wut, Angst oder Trauer umgeht: Das hat der Theaternachmittag „Regenbogenbunt sind meine Gefühle“ in der Aula der Miltenberger Realschule geboten. Am Montag, dem 12. Oktober, kamen etwa 40 Kinder mit ihren Eltern, wie das Landratsamt Miltenberg mitteilte.
Anlass: Bayerischer Präventionstag
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Landratsamt, von der GesundheitsregionPlus und von der Erziehungsberatung der Caritas. Sie fand am Bayerischen Präventionstag statt. Dieser Aktionstag ist jährlich am 12. Oktober und soll das Engagement von Kommunen, Einrichtungen, Betrieben, Behörden, Schulen, Vereinen und Verbänden bündeln und sichtbar machen. Außerdem soll er Prävention positiv besetzen und gesunde Lebensweisen stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen.
Der Nachmittag geht auf eine Präventionskonferenz im Sommer 2026 zurück. Dort wurden im Landkreis drei Gesundheitsziele priorisiert. Die Beteiligten hielten die Stärkung der psychischen Gesundheit für besonders wichtig. Die Veranstaltung in der Realschule war die erste Folge daraus. Im Mittelpunkt standen die Wahrnehmung von Emotionen, der Umgang mit ihnen und Handlungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen.
Landrat Björn Bartels sagte, es gehe darum, Gefühle zu erkennen und zu verstehen, was sie einem sagen wollen. Davon profitierten Kinder ebenso wie Erwachsene. Psychische Gesundheit zu stärken bedeute, sich und seine Gefühle zu kennen und darüber sprechen zu können. Zugleich gehöre dazu zu wissen, an wen man sich wenden kann, wenn es einem nicht gut geht. An diesem Tag sollten vor allem die Kinder selbst aktiv werden, Neues entdecken und sich beteiligen. Angekündigt hatte der Landrat ein buntes Programm mit Theater, Bewegung und viel Gelegenheit zum Mitmachen.
Improvisationstheater ohne Drehbuch
Auf der Bühne stand das Aschaffenburger Improvisationstheater ZapzarAB, ein Quintett. Ein Skript gab es nicht. Was geschah, bestimmten allein die Kinder: Die Schauspielerinnen und Schauspieler griffen deren Wünsche spontan auf und machten daraus lustige, spannende und berührende Szenen. Gefühle wie Wut, Angst, Freude und Trauer stellten sie mit Hilfe der Kinder dar. Die Kinder zeigten pantomimisch, wie sie sich fühlen, wenn sie Angst haben oder jubeln. Gefühle seien normal, sagte ein Schauspieler, und manchmal brauchten sie Zeit, bis sie hervorkämen.
Zu den Figuren zählte die Gefühlsforscherin Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Katharina Sternenstaub mit ihrer Eule. Weil niemand sie versteht, brachte sie einen Gebärdendolmetscher mit, der sich auf der Bühne artistisch verrenkte. Gemeinsam mit den Kindern ging sie der Herkunft von Gefühlen nach. Viel gelacht wurde, als Kinder zwei Schauspieler wie Puppen bewegen mussten. Eine kosmische Ziege wollte wissen, welches Gefühl die Kinder beim Kuscheln mit ihrem Lieblingshaustier haben. Feli, die traurige Fee auf der Wolke, weckte Mitleid, bis ein „Stuntman“ aus dem Publikum ihr Mut machte und von der Wolke sprang. Zu Klaviermusik gab es auch ruhige Momente, in denen alle durchatmeten. Julia Körbel vom Gesundheitsamt dankte dem Ensemble am Ende unter großem Applaus.
Gefühle benennen, Hilfe finden
Danach machte Frank Kesting von der Erziehungsberatung des Caritasverbands die Kinder mit Gefühlen vertraut. Gefühle gebe es in ebenso großer Vielfalt wie Farben, sagte er und ließ sich viele nennen. Ob Herzklopfen, schwitzige Hände oder weiche Knie: Gefühle zeigen sich, aber keines hält ewig an. Den Kindern sagte er laut: „Alle Gefühle sind richtig und wichtig“, denn sie lieferten auch bedeutsame Hinweise. Bei schwierigen Gefühlen sei man nicht auf sich allein gestellt.
Kesting bat die Kinder, mögliche Ansprechpersonen zu nennen. Genannt wurden Mama und Papa, Freunde, Geschwister, Oma und Opa, auch das Streicheln eines Haustiers. Auch an der Schule fänden sich nette Lehrer und Jugendsozialarbeiter. Er sagte: „Manchmal tut es gut, über seine Gefühle zu sprechen“. Man könne sich zudem an die Erziehungsberatung wenden.
Beim Stopptanz sollten die Kinder auf Kommando stehen bleiben, ihre Gefühle mit Farben beschreiben und sagen, was sie aus ihnen machen. Die Antworten fielen unterschiedlich aus: Ärger, eine kurze Pause, aufmunternde Worte an sich selbst oder Austoben. Nach gut 90 Minuten endete der Nachmittag mit einer „Fantasiereise“. Gelernt haben dürften nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Begleitpersonen.
Auf einen Blick
- Veranstaltung: Theaternachmittag „Regenbogenbunt sind meine Gefühle“
- Termin: Montag, 12. Oktober
- Ort: Aula der Miltenberger Realschule
- Dauer: gut 90 Minuten
- Veranstalter: Landratsamt Miltenberg, GesundheitsregionPlus, Erziehungsberatung der Caritas
Eigene Einschätzung
Der Ansatz überzeugt, weil Kinder Gefühle hier nicht erklärt bekommen, sondern selbst darstellen und benennen. Besonders sinnvoll ist, dass sie ganz praktisch Ansprechpersonen sammeln. Offen bleibt, ob es weitere Angebote aus der Präventionskonferenz geben soll und wie Familien, die nicht dabei waren, davon erfahren.













