München – (8. Oktober 2026) Berlin/München – Wenn Deutschland angesichts geopolitischer Krisen seine Sicherheits- und Krisenvorsorge neu aufstellt, muss nach Ansicht von Bayerns Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Michaela Kaniber auch die Versorgung mit Lebensmitteln stärker berücksichtigt werden. Die heimische Landwirtschaft und die gesamte Lebensmittelkette müssen konsequent mitgedacht werden. Diese Botschaft gab die Ministerin dem Parlamentarischen Abend "Ernährungssicherheit – Ernährung sichern. Zukunft gestalten" des Freistaats Bayern in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin mit auf den Weg. Wegen einer Erkrankung konnte Kaniber nicht an der Veranstaltung (7.10.) teilnehmen. In einer schriftlichen Erklärung betonte Kaniber: "Zu einem krisenfesten Land gehören nicht nur Energie, Infrastruktur und Verteidigung. Dazu gehört auch, dass wir unsere Bevölkerung jederzeit zuverlässig mit hochwertigen und bezahlbaren Lebensmitteln versorgen können. Ernährungssicherheit muss deshalb fester Bestandteil unserer Sicherheits- und Vorsorgeplanung sein", sagte Kaniber. Entscheidend sei dabei, die Fähigkeit zur Lebensmittelproduktion im eigenen Land zu erhalten. Ernährungssicherheit beginne nicht im Supermarkt, sondern auf den Feldern, in den Ställen sowie in den Verarbeitungsbetrieben. Landwirtschaftliche Produktionskapazitäten könnten nach einem Abbau nicht kurzfristig wiederhergestellt werden. Auch politischen Forderungen nach einer Reduzierung der Nutztierhaltung durch die Politik erteilte Kaniber in ihrer Stellungnahme eine klare Absage: "Eine Politik, die die Nutztierhaltung in Deutschland gezielt zurückdrängt, ist aus meiner Sicht falsch – und mit Blick auf unsere Versorgungssicherheit gefährlich. Wer eigene Produktionskapazitäten und damit Versorgungspotenzial abbaut, riskiert, sich immer stärker von Importen abhängig zu machen. Wir dürfen unsere Ernährungssicherheit nicht exportieren. Und wir reden dabei nicht nur von Rohstoffen und Produkten, sondern auch von regionalen Nährstoffkreisläufen. Denn wer Tierhaltung abbaut, muss letztlich Nährstoffe importieren. Statt heimischer Gülle hängen wir dann noch stärker am Weltmarkt – und im Zweifel an der Straße von Hormus. Statt Tierhaltung aus Deutschland zu verdrängen, müsse sie hierzulande wirtschaftlich tragfähig weiterentwickelt werden. Dazu gehörten moderne Ställe, hohe Tierwohlstandards, regionale Schlacht- und Verarbeitungsstrukturen sowie langfristige Investitionssicherheit für die Betriebe. Erst Ende September hatten sich die Agrarministerinnen und Agrarminister der Länder in Würzburg für eine dauerhaft verlässliche Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung ausgesprochen. Sie verweisen dabei auf einen Finanzbedarf von jährlich 1,5 Milliarden Euro. Bayern und zahlreiche weitere Länder fordern zudem mindestens 20 Jahre Bestandsschutz für neue und umgebaute Tierwohlställe. Auch auf europäischer Ebene müsse Ernährungssicherheit stärker zur politischen Leitlinie werden. Kaniber bekräftigte in ihrer Mitteilung die bayerische Forderung nach einem eigenständigen und angemessen ausgestatteten Agrarbudget nach 2027. Eine leistungsfähige Landwirtschaft sei Voraussetzung dafür, dass Europa auch in Krisenzeiten möglichst unabhängig und handlungsfähig bleibe. "Unsere Bäuerinnen und Bauern sind nicht irgendein Wirtschaftszweig. Sie sichern jeden Tag eine unserer elementarsten Lebensgrundlagen. Wenn wir wollen, dass auch die nächste Generation in Deutschland Lebensmittel erzeugt, dann müssen sich Landwirtschaft und Tierhaltung wirtschaftlich lohnen und Investitionen wieder planbar werden", so Kaniber. Der Parlamentarische Abend brachte unterschiedliche Perspektiven entlang der Lebensmittelkette zusammen. Die kurzfristig erkrankte Staatsministerin Michaela Kaniber wurde bei der Veranstaltung durch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Martina Englhardt-Kopf, vertreten. Auf dem Podium diskutierten deswegen Engelhardt-Kopf sowie Ministerialdirigentin Alexandra Schenk (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus) mit dem praktizierenden Landwirt Georg Mayerhofer (Mayerhofer Agrar), Emilie Bourgoin (Group Director Public Affairs und Vorsitzende Kompetenzzentrum Landwirtschaft der REWE Group) sowie Jörg Migende (Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands e. V.). Die Keynote mit dem Titel "Gemeinsam für sichere Ernährung: Landwirtschaft, Handel und Wettbewerb zusammendenken" hielt Professorin Dr. Christine Wieck (Universität Hohenheim).




