Niedernberg – Etwa 100 Gäste kamen am 15. Oktober 2026 in die Hans-Herrmann-Halle in Niedernberg, um sich über die Energiewende im Ort zu informieren. Die Gemeinde hatte zu der öffentlichen Bürgerinformationsveranstaltung eingeladen, wie sie mitteilte. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Schritte nötig sind, damit Strom und Wärme für die Einwohner gesichert und bezahlbar bleiben.
Anlass waren die aktuellen Entwicklungen bei der Energie- und Wärmewende. Auf dem Programm standen die künftige Wärmeversorgung, der erforderliche Ausbau der Stromnetze und regionale Beteiligungsmöglichkeiten. Hinzu kam die Windenergie im Niedernberger Wald, genauer im Windvorranggebiet W36 Dachsberg. Außerdem ging es um die ersten Potenziale eines Windparks und um die möglichen Schritte bis dahin. Ebenso kamen Jagd und Naturschutz zur Sprache.
Noch am Anfang
Bürgermeister Ralf Sendelbach sagte zur Begrüßung, Niedernberg sei zwar schon auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung, stehe aber noch am Anfang. Wie genau sich die Gemeinde künftig mit erneuerbaren Energien versorgt, sei bisher nicht entschieden. Bei der Windenergie habe Niedernberg eine günstige Ausgangslage: Als Flächeneigentümerin kann sie selbst bestimmen, ob und zu welchen Konditionen sie die Vorrangflächen erschließt.
Wärmeplanung: weg von Öl und Gas
Simon Sauer vom Ingenieurbüro BFT erläuterte die bereits abgeschlossene kommunale Wärmeplanung. Derzeit entfallen auf Heizöl rund 23 Prozent und auf Erdgas rund 60 Prozent. Die Wärmezukunft in Niedernberg soll aber nicht mehr auf diesen fossilen Energieträgern beruhen. Als wichtigste Hebel nannte er den Umstieg auf dezentrale Heizungen mit erneuerbaren Energien und energetische Sanierungen.
Wind: Gemeinde kann mitgestalten
Warum Windenergie in Niedernberg überhaupt diskutiert wird, erklärte Malte Bruns als Windkümmerer® Unterfranken. Damit die Flächenvorgaben des Wind-an-Land-Gesetzes eingehalten werden, hat der regionale Planungsverband bayerischer Untermain im Niedernberger Wald das Windvorranggebiet Dachsberg festgelegt. Die Gemeinde müsse deshalb aber nicht tatenlos zusehen. Mit der Gemeinde ließen sich Maßstäbe für einen verträglichen Ausbau definieren. Zusammen mit dem Regionalwerk lasse sich zudem erreichen, dass bei einem Windpark möglichst viel regionale Wertschöpfung und Teilhabe entsteht.
Fabian Rothermich vom REW (Regionales Energiewerk Untermain GmbH) legte dar, auf welchem Weg dies möglich ist. Er hält in Niedernberg drei Windräder für denkbar. Das Energiewerk will Einfluss auf den Umfang von Projekten nehmen, die Wertschöpfung in der Region halten und die Mitbestimmung lokaler Akteure sichern. Zudem will es die regionale Energieerzeugung dauerhaft steuern.
Infomarkt und Ausblick
Nach den Vorträgen konnten die Gäste an einem Infomarkt direkt mit Fachleuten sprechen. Neben den Referenten waren auch die Interessengemeinschaft Zukunft Niedernberg, der BUND Naturschutz sowie der Jagdpächter vor Ort mit Ständen dabei. Was die Bürger fragten und anregten, soll bei der weiteren Umsetzung der Energiewende berücksichtigt werden.
Zum Schluss dankte Sendelbach den Vortragenden und den Bürgern für die guten Diskussionen. Der Gemeinderat werde sich zeitnah mit der Windenergie befassen und in öffentlicher Sitzung einen Beschluss fassen. Der Bürgermeister versprach, weiter transparent über Energiewendethemen zu informieren.
Konzipiert und moderiert wurde der Abend von den Windkümmerern® Unterfranken. Sie unterstützen Gemeinden beim Windenergieausbau vor Ort; Auftraggeber ist die Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK).
Auf einen Blick
- Termin: 15. Oktober 2026
- Ort: Hans-Herrmann-Halle, Niedernberg
- Veranstalter: Gemeinde Niedernberg
- Konzeption und Moderation: Windkümmerer® Unterfranken
Hintergrund
Wer seine Öl- oder Gasheizung gegen eine erneuerbare Anlage tauscht, kann laut Verbraucherzentrale einen Zuschuss als Grundförderung von 30 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten. Für selbstnutzende Eigentümer können Boni dazukommen. Dazu zählt ein Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent für selbstgenutzte Wohneinheiten, etwa beim Austausch einer funktionsfähigen Ölheizung.
Dieser Bonus läuft aus, wie die Verbraucherzentrale schreibt: Ab dem 1. Februar 2027 sinkt er halbjährlich um 4 Prozent, ab dem 1. August 2028 wird er nicht mehr gewährt. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, den Heizungstausch frühzeitig zu planen.
Laut Mitteilung auf der Website der Gemeinde Niedernberg ist es das Ziel des Wärmeplans, dass vor Ort bis 2045 die gesamte Wärme aus regenerativen Quellen stammt. Eine gesetzliche Auswirkung auf die Bevölkerung habe er nicht; er soll Orientierung ohne Zwang geben.
Zur Windenergie nennt der Energieatlas Bayern mehrere Beteiligungsformen. Beim Strombonus zahlt der Betreiber Anwohnern im Umkreis einer Anlage jährlich etwa 75 bis 150 Euro pro Haushalt. Angebote zur finanziellen Beteiligung sind erst möglich, wenn der Windpark genehmigt ist und den Zuschlag in der EEG-Ausschreibung erhalten hat. Wer eigenes Geld einsetzt, trägt ein Risiko: Bei wirtschaftlichem Misserfolg droht ein Teil- oder Totalverlust der Einlage.
Eigene Einschätzung
Der Abend zeigt, dass in Niedernberg noch nichts entschieden ist, und genau das macht die Beteiligung der Bürger sinnvoll. Offen bleibt, welche Kriterien die Gemeinde für einen Windpark festlegen will und welche Beteiligungsmodelle konkret infrage kommen. Wer eine neue Heizung plant, sollte die Förderfristen im Blick behalten. Den angekündigten Beschluss des Gemeinderats sollten Interessierte in der öffentlichen Sitzung verfolgen.













