Regensburg – Das Bistum Regensburg veröffentlicht in seinem Blog „Durch das Kirchenjahr“ eine Auslegung zum Evangelium des 29. Sonntags im Jahreskreis A. Der Text stammt von Benedikt Bögle und behandelt Matthäus 22, 15 – 21. Das Bistum teilte den Beitrag am 17. Oktober 2026 mit.
Die Szene im Evangelium
Die Pharisäer wollen Jesus durch eine geschickte Frage in die Enge treiben. Dazu schicken sie ihre Jünger gemeinsam mit Anhängern des Herodes zu ihm. Zunächst loben sie ihn als Lehrer, der die Wahrheit sagt, den Weg Gottes lehrt und auf niemanden Rücksicht nimmt. Dann fragen sie ihn, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuer zu zahlen. Jesus erkennt ihre böse Absicht, nennt sie Heuchler und lässt sich eine Münze zeigen. Er fragt, wessen Bild und Aufschrift darauf zu sehen sind. Als sie antworten, es sei das des Kaisers, sagt er: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“
Die Auslegung
Bögle beschreibt zunächst, warum die Frage eine Falle ist. Bejaht Jesus sie, zieht er laut dem Text den Zorn der jüdischen Bevölkerung auf sich, denn die Römer sind Fremdherren im Heiligen Land und die Steuerzahlungen subventionieren dieses System. Verneint er sie, bekommt er Probleme mit den römischen Herrschern. Ein öffentlicher Aufruf, keine Steuern zu zahlen, wäre ein Akt des offenen Widerstands, den die Römer sicherlich nicht dulden würden.
Die Antwort lasse sich als Unterscheidung von weltlicher und religiöser Macht verstehen. Nicht alles sei eine religiöse Angelegenheit, viele Pflichten hätten mit dem Glauben nichts zu tun, etwa das Verhalten am Arbeitsplatz, die Höhe der Steuern oder die Einhaltung von Gesetzen.
Der Autor verweist aber auf eine weitere Dimension. In den Zehn Geboten heißt es (Ex 20,4): „Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde“. Nach jüdischem Verständnis falle auch die Münze des Kaisers darunter. Staatliche und religiöse Sphäre lassen sich deshalb nicht einfach trennen, denn schon die Münze mit dem Kaiserbild sei eine religiöse Provokation und ein Verstoß gegen die Gebote.
Bögle schlägt deshalb vor, Jesu Wort anders zu verstehen. Die Betonung liege auf dem Ende, also darauf, Gott zu geben, was Gott gehört. Es gehe darum, Gott in allem die Ehre zu erweisen, was Menschen tun. Das Leben lasse sich nicht in Bereiche aufteilen, die nichts miteinander zu tun haben, etwa einen staatlichen Bereich, dem der Glaube egal ist, und einen Glauben, dem egal ist, was man den Rest des Tages tut. Menschen seien als ganze Menschen von Gott berufen und sollten ihren ganzen Alltag heiligen, wo immer das möglich ist.
Auf einen Blick
- Bibelstelle: 29. Sonntag im Jahreskreis A, Matthäus 22, 15 – 21
- Autor: Benedikt Bögle
- Format: Blog „Durch das Kirchenjahr“ des Bistums Regensburg
- Datum der Mitteilung: 17. Oktober 2026
Eigene Einschätzung
Der Beitrag nimmt die bekannte Steuerfrage ernst und zeigt, dass hinter der Münze mehr steckt als ein Streit um Abgaben. Der Gedanke, den Glauben nicht auf einen abgetrennten Lebensbereich zu beschränken, taugt als Anregung für den Alltag. Offen bleibt, wie sich das im Konkreten auswirken soll, etwa bei Pflichten, die scheinbar nichts mit dem Glauben zu tun haben.













