Burglengenfeld – Wer sich für die Geschichte Burglengenfelds interessiert, kann am Sonntag, 8. November 2026, den Friedhof der Stadt einmal anders erleben. Die ehemalige Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl führt ab 15 Uhr über das Gelände, wie die Stadt Burglengenfeld mitteilte. Der Termin liegt auf dem Sonntag nach Allerheiligen.
Laut Mitteilung dient der Friedhof dem Gedenken an Verstorbene und spiegelt zugleich die Stadtgeschichte sowie das Leben der hier ansässigen Familien wider. Berwing-Wittl wird bei dem rund 1,5-stündigen Rundgang zahlreiche Gräber aufsuchen und über die dort betrauerten Bürger berichten. Außerdem erläutert sie alte Rituale beim Sterben und bei der Gestaltung von Gräbern. Zur Sprache kommen die figürliche Gestaltung und Symbolik der Grabdenkmäler, das Allerheiligen-Brauchtum sowie Erinnerungen an Lengfelder Familien.
Die Besonderheiten der Burglengenfelder Grabkultur zeigen sich nach Angaben der Stadt vor allem an den unter Denkmalschutz stehenden Grabmälern der Bildhauer Karl und Franz Bornschlegel, die in der ersten Jahrhunderthälfte entstanden. Auch an Werken von Fritz König (Landshut) und Christine Sabel (Burglengenfeld) lassen sich diese Besonderheiten nachvollziehen. Viele Grabsteine erzählen zudem von Persönlichkeiten der Stadt, die ihren Reichtum auch nach dem Tod mit prächtigen Grabstätten zeigten.
Von der Urpfarrei St. Georg auf der Widen ist bis auf die Nebenkapelle St. Anna nichts mehr erhalten. In dieser Kapelle sind nach dem Abriss der Georgskirche die kostbaren Epitaphe des 15. bis 19. Jahrhunderts untergebracht. Zu finden ist außerdem die Familiengruft der von Gravenreuther, die in der Zeit der Napoleonischen Kriege nach Burglengenfeld gelangten. Genannt werden zudem die Grabstätte von Henri Goffard, dem belgischen Unternehmer und Begründer des Eisenwerks Maximilianshütte, und die Gedenkstätte für die drei Opfer des „Blutigen Palmsonntag“. Im April 1919 hatten sie vorgehabt, die Räterevolution nach Kallmünz zu bringen. Auf dem Friedhof erinnert zudem eine Gedenktafel an Josef Schmidt, den bedeutendsten kommunistischen Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten. Er starb im Mai 1945, nur wenige Tage nach Kriegsende, im KZ Dachau.
Auf einen Blick
- Termin: Sonntag, 8. November 2026, 15 Uhr
- Man trifft sich vor dem Haupteingang des Friedhofs
- Dauer: ca. 1,5 Stunden
- Eine Anmeldung ist nicht nötig
- Kosten: 4 Euro pro Person
Hintergrund
Die Mitteilung spricht von „Sepulchralkultur“. Wikipedia versteht darunter den kulturellen Umgang mit Tod und Sterben, mit Beisetzung und Trauer. Im weitesten Sinne lasse sich der Begriff auch als Trauer- und Begräbniskultur verstehen.
Zur Sepulkralkultur zählt nach demselben Artikel auch die Sepulkralkunst. Dazu gehören etwa Kruzifixe und kunstvoll gestaltete Grabsteine.
Auch für die Epitaphe in der Kapelle St. Anna gibt es einen eigenen Begriff. Ein Epitaph ist nach Wikipedia ein Erinnerungsmal an einen Toten, das in der Regel im Inneren oder an der Außenwand einer Kirche befestigt wird. Im Unterschied zum Grabmal befinde es sich meist nicht an der Bestattungsstelle.
Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten sich die Epitaphien laut Wikipedia rasch weiter, weil Stadtbürgertum und Adel sich zunehmend selbst darstellen wollten. Sowohl die Inschriften als auch die künstlerische Ausführung geben demnach Auskunft über die gesellschaftliche Stellung der Toten.
Eigene Einschätzung
Die Führung verbindet Stadtgeschichte mit Fragen, die man sonst selten stellt: Wer liegt hier, und warum sieht sein Grab so aus? Besonders reizvoll ist die Mischung aus Kunst, Industriegeschichte und politischer Erinnerung. Da kein Anmeldeaufwand nötig ist, kann man spontan vorbeikommen. Warme Kleidung ist im November ratsam.













