Ausstellung „SHAME – European Stories“ in der Universitätsbibliothek eröffnet
Foto: Antonio Zierer

Regensburg – Initiiert wurde die Ausstellung von der „Justice-Initiative“ der Guido-Fluri-Stiftung (externer Link, öffnet neues Fenster) (Schweiz), getragen wird sie vom Verein Umsteuern! Robin Sisterhood e. V. (externer Link, öffnet neues Fenster) Begleitend zu ihr läuft bis 27. Januar 2027 die Ringvorlesung „Missbrauch in Institutionen. Sexuelle, spirituelle, systemische Komponenten“ (externer Link, öffnet neues Fenster), mittwochs von 16 bis 18 Uhr im H18 und per Zoom.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. Oktober 2026 sprachen vor zahlreichen Gästen Vertreter:innen von Fakultät, Universitätsleitung, Bibliothek und Trägerverein sowie drei Betroffene, zwei von ihnen für den Betroffenenbeirat Regensburg.

Zeugenschaft als Frage der Gerechtigkeit

Dekanin Prof.in Dr. Ute Leimgruber, deren Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik die Ausstellung mit dem Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments nach Regensburg geholt hat, begrüßte zuerst jene, denen die Ausstellung zu verdanken ist: die Porträtierten, den Trägerverein und den Betroffenenbeirat Regensburg, der die Texte im „schaufenster“ der UB ausgewählt hat.

Als Pastoraltheologin erinnerte sie an 2010, als ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs den Missbrauch an ihrer Schule öffentlich machten. Die katholische Kirche habe ein systemisches Problem, doch Missbrauch sei insgesamt das unsichtbare Massenverbrechen in der Mitte der Gesellschaft.

Mit Carolin Emckes Essay „Weil es sagbar ist“ deutete sie Zeugenschaft als Frage der Gerechtigkeit: Das Schweigen der Betroffenen sei der letzte Triumph der Täter. Wer das Erlittene benennt, gewinnt die Deutungsmacht zurück und sorgt dafür, dass die Scham die Seite wechseln kann.

Macht, Abhängigkeit und Kritik an den Anerkennungsverfahren

Vizepräsidentin Prof.in Dr.in Jenny Oesterle-El Nabbout betonte für die Universitätsleitung, die Verbindung von Macht und Abhängigkeit mache auch vor Universitäten nicht halt und sei kein Problem der Vergangenheit.

Maria Mesrian, 1. Vorsitzende des Trägervereins Umsteuern! Robin Sisterhood e. V. und wenige Tage zuvor mit dem HeldinnenAward der Alice-Schwarzer-Stiftung ausgezeichnet, kritisierte die kirchlichen Anerkennungsverfahren scharf: Entscheidungen würden nicht begründet, Akteneinsicht sei kaum zu erlangen. Solche Verfahren seien selbst eine Form des Machtmissbrauchs. Die von ihrem Verein 2022 in Köln gegründete, spendenfinanzierte Fachberatungsstelle „Leuchtzeichen“ hat nach ihren Angaben in vier Jahren weit über 100 Betroffene begleitet.

„Sprechen Sie mit uns!“

Agnes Wich, selbst porträtiert, brauchte nach eigenen Worten etwa ein Jahr, bis sie der Veröffentlichung ihres Bildes zustimmen konnte. Ihr Appell: hinschauen, die Wunden unter den Narben sehen und sich berühren lassen, denn nur so geschehe Veränderung.

Manuel Druminski, 1. Sprecher des Betroffenenbeirats Regensburg, gab sein Grußwort als Geiger. Betroffensein sei vielfältig und passe in keine Schublade, auch nicht in die der Bilder; dafür wählte er Béla Bartóks Rumänische Volkstänze.

Richard Nusser, 2. Sprecher des Beirats, bat das Publikum: „Kommen Sie mit uns ins Gespräch.“ Betroffene seien schließlich die Expert:innen des Erlebten. Dem Vorwurf, es gehe nur ums Geld, hielt er entgegen: „Wir wollen Gerechtigkeit. Aber auch Geld“, denn viele könnten infolge der Taten nicht so leben, wie es jedem Menschen zusteht.

Dr. André Schüller-Zwierlein, Direktor der Universitätsbibliothek, drehte den Blick schließlich noch einmal um: Nicht wir schauen die Porträtierten an, sie schauen uns an. In den Bildern spreche das Schweigen selbst, als Antwort auf das Schweigen der Täter.

Kontakt aufnehmen

Prof.in Dr. Ute Leimgruber

Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik
Sekretariat Anna Groß
Tel.: 0941/943-3741
Mail: [email protected]

Dekanin Prof.in Dr. Ute Leimgruber begrüßt die Gäste
Dekanin Prof.in Dr. Ute Leimgruber begrüßt die Gäste. Foto: Antonio Zierer
Ausstellung „SHAME – European Stories“ in der Universitätsbibliothek eröffnet
Foto: Antonio Zierer