In mainfränkischen Firmen, die sich an einer Umfrage beteiligt haben, gehört KI zum Alltag, allerdings vor allem am Schreibtisch. Die Befragung haben IHK Würzburg-Schweinfurt und Universität Würzburg im Sommer 2026 gemeinsam online unter 53 Unternehmen aus Mainfranken durchgeführt. Repräsentativ ist sie nach eigenen Angaben nicht, sie zeigt Tendenzen.
Zahlen zur Industrie in ganz Nordbayern liefert eine Studie, die alle sechs Kammern im Norden des Freistaats in Auftrag gegeben haben und die bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken koordiniert wurde. Eine Botschaft dieser Studie betrifft vor allem kleinere Unternehmen: Sie laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren.
Mainfranken: Texte und Recherche statt Automatisierung
Im Schnitt setzen die befragten Firmen 3,7 verschiedene KI-Werkzeuge ein, rund ein Drittel nutzt eine eigene Lösung des Unternehmens. Am häufigsten dient KI der Recherche und dem Schreiben von Texten, beides nennen 91 Prozent, auf Platz zwei steht mit 66 Prozent das Zusammenfassen von Informationen. Die Automatisierung von Abläufen geben nur 19 Prozent an. „KI ist am Arbeitsplatz angekommen, in den Prozessen hingegen noch nicht“, sagt IHK-Digitalisierungsreferentin Julia Holleber.
Die Stimmung ist eher zuversichtlich: Auf einer Skala von 1 für großes Risiko bis 10 für große Chance liegt der Mittelwert bei 6,8. Eine Gruppe von 30 Prozent sieht für die eigene berufliche Entwicklung eher Risiken, kennt sich mit KI aber kaum schlechter aus als die übrigen Befragten.
Bei den Regeln ist das Bild geteilt: 49 Prozent haben eine schriftliche Richtlinie oder Betriebsvereinbarung, 23 Prozent arbeiten bisher ganz ohne Vorgaben. Bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten hat gut 70 Prozent eine Richtlinie, bei Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten kein einziger. Für Weiterbildung wünschen sich 70 Prozent vor allem Beispiele aus der Praxis, und rund vier Fünftel bevorzugen Angebote von maximal einem halben Tag. Die Herausgeber betonen selbst, dass die Umfrage wegen der kleinen Zahl und der freiwilligen Teilnahme nur Tendenzen zeigt und nicht repräsentativ ist.
Nordbayerns Industrie: Großbetriebe sind deutlich weiter
Für die Studie „Industrie 4.0 – Reifegrad-Messung 2025“ hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult 219 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes befragt, erstmals auch ausführlich zur KI. Drei Viertel der Betriebe befassen sich demnach intensiv oder wenigstens am Rande mit KI, und die Chancen schätzen sie klar höher ein als die Risiken. Der Abstand nach Größe ist erheblich: 54 Prozent der Großunternehmen beschäftigen sich intensiv mit KI, bei den Kleinbetrieben sind es 17 Prozent. Über 70 Prozent der Firmen nennen fehlende Fachkräfte als zentrale Hürde, und im Bereich Mitarbeiterkompetenzen ist der Reifegrad sogar gesunken.
Schon die mittelfränkische Auswertung der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2024 sah KI in der Breite der Wirtschaft angekommen. Als Bremse nannte sie rechtliche Unsicherheiten und fehlende Klarheit, wie Daten genutzt werden dürfen. Der „Digitalkompass Mainfranken 2025“ von IHK und Universität Würzburg, der auf Interviews mit 45 Unternehmen beruht, kam zu einem ähnlichen Schluss: Vor allem kleine und mittlere Firmen tun sich schwer, Technologien wie KI in ihre Geschäftsprozesse einzubauen.
KI-Kompetenz: Was die europäische KI-Verordnung verlangt
Wer KI-Systeme anbietet oder betreibt, muss nach der KI-Verordnung Maßnahmen ergreifen, damit das eigene Personal KI-Kompetenz aufbauen kann. Das gilt laut Bundesnetzagentur unabhängig von Branche und Größe und schließt den Einsatz von Chatbots ein. Nach der Änderung durch den sogenannten KI-Omnibus steht im Gesetz ausdrücklich, dass niemand für eine einzelne Person ein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren muss.
Vorgeschrieben sind weder standardisierte Schulungen noch externe Zertifikate oder ein eigener KI-Beauftragter. Die Bundesnetzagentur rät trotzdem, die Maßnahmen sorgfältig zu dokumentieren, weil fehlende KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht gewertet werden kann, besonders wenn ein Schaden eintritt. Kostenlose Unterstützung bieten unter anderem die Mittelstand-Digital Zentren, in deren Netzwerk etwa 100 KI-Trainer kleine und mittlere Unternehmen anbieterneutral begleiten.
Auf einen Blick
- Umfrage Mainfranken: 53 Unternehmen, Sommer 2026, Tendenzen ohne Anspruch auf Repräsentativität.
- Nordbayern-Studie: 219 Industriebetriebe, intensiv mit KI befasst sind 54 Prozent der Großunternehmen und 17 Prozent der Kleinbetriebe.
- KI-Verordnung, Artikel 4: Maßnahmen zur KI-Kompetenz sind Pflicht, eine Zertifizierung nicht.
Eigene Einschätzung
Die Umfragen zeichnen ein nüchternes Bild: KI hilft beim Schreiben, verändert aber selten ganze Abläufe. Dass in der Mainfranken-Umfrage gerade kleine Betriebe ohne Regeln arbeiten, halten wir für unnötig riskant, denn ein kurzes internes Papier zum erlaubten Einsatz ist schnell geschrieben. Dass die KI-Verordnung kein bestimmtes Kompetenzniveau verlangt, ist kein Freibrief. Wer Mitarbeitende schult und das festhält, steht rechtlich besser da und holt mehr aus den Werkzeugen heraus.
Quellen
- Stimmungsbild: So nutzen mainfränkische Firmen KI – Universität Würzburg (abgerufen am 21.10.2026)
- IHK-DigitalisierungsReport Mittelfranken 2024 | IHK Nürnberg für Mittelfranken (abgerufen am 21.10.2026)
- Industrie 4.0 in Nordbayern: Unternehmen kommen bei der digitalen Transformation voran | IHK Nürnberg für Mittelfranken (abgerufen am 21.10.2026)
- „KI, Cloud-Computing und Automatisierung stehen im Fokus“ – einBLICK – Online-Magazin der Universität Würzburg (abgerufen am 21.10.2026)
- Bundesnetzagentur – KI (abgerufen am 21.10.2026)
Die Redaktion hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben. Jede Zahl und jede Tatsachenangabe wurde vor der Veröffentlichung mit der genannten Quelle abgeglichen. Die „Eigene Einschätzung“ ist ein Kommentar der Redaktion.













