Würzburg – Dr. Michael Wolf, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg, hat bei der Herbstvollversammlung des Gremiums klare ethische Regeln für Künstliche Intelligenz verlangt. Außerdem forderte er gerechte Reformen der Sozialsysteme und einen konsequenten Einsatz gegen Antisemitismus. Das teilte das Bistum Würzburg (POW) mit. Wolf sprach am Freitag, 16. Oktober, im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten, kurz vor der Neukonstituierung des höchsten Laiengremiums der Diözese, und gab dabei seinen „Bericht zur Lage“.
Künstliche Intelligenz: Chancen nutzen, Grenzen setzen
Zur Künstlichen Intelligenz sagte Wolf: „Nicht alles, das möglich ist, muss auch gemacht werden.“ Bei manchen Aufgaben schneide die Technologie besser ab als Menschen, etwa bei Röntgenbildern oder Wettervorhersagen. Die Gesellschaft müsse aber festlegen, welche Anwendungen sinnvoll und moralisch vertretbar seien. Von apokalyptischen Zukunftsvisionen solle man sich nicht leiten lassen. Nötig seien eine kritische Prüfung und ethische Maßstäbe.
Sozialsysteme und Familien
Die sozialen Sicherungssysteme müssten an veränderte Bedingungen angepasst werden, so Wolf. Weniger Geburten, längeres Leben und steigende Kosten setzten vor allem Renten- und Krankenversicherung unter Druck. Als diskutierte Lösungsansätze nannte er eine bessere Organisation im Gesundheitswesen, mehr Beitragszahler und mögliche Einschnitte bei den Leistungen. Er warnte davor, Gruppen gegeneinander auszuspielen oder Ältere wegen der Kosten bei der Versorgung außen vor zu lassen. Gesucht seien Lösungen, die gerecht, ethisch vertretbar und finanzierbar sind. Langfristig brauche es bessere Rahmenbedingungen für Familien, denn Kinder sollten kein Armutsrisiko darstellen. Zugleich solle die Zuwanderung bei der demografischen Entwicklung mitgedacht werden.
Die Herausforderungen betreffen laut Wolf auch die Kirche. Die Caritas leiste wichtige Arbeit bei Gesundheit, Betreuung und Beratung. Bei sinkenden Katholikenzahlen und rückläufigen Kirchensteuereinnahmen müsse das Bistum klären, welche Leistungen künftig möglich sind und wie sie sich finanzieren lassen. Er riet dazu, zunächst die Ziele des sozialen Engagements klar festzulegen und dann das nötige Geld dafür zu sichern.
Politik und Antisemitismus
Wolf warnte vor völkischem Nationalismus und unterstützte ausdrücklich die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, dass dieser mit dem Christentum nicht vereinbar sei. Zugleich fragte er, woran es liegt, dass populistische Parteien Zulauf haben. Demokratische Kräfte sollten enger kooperieren, anstatt sich in Streit untereinander zu verlieren. Die Entwicklung in Ostdeutschland sei differenziert zu betrachten; der wirtschaftliche Umbruch nach der Wiedervereinigung habe nicht die erhofften „blühenden Industrielandschaften“ hervorgebracht.
Eindringlich rief Wolf zum Kampf gegen Antisemitismus auf und verwies auf die Bedrohung jüdischen Lebens. Er zitierte Dr. Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit den Worten: „Auf dem Rückzug befindet sich nicht der Antisemitismus, sondern jüdisches Leben, das zusehends aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird.“ Aus seiner Sicht sollten Christen Jüdinnen und Juden zur Seite stehen und Demokratie wie Menschenwürde verteidigen. Zum Nahostkonflikt sprach er sich dafür aus, dass Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben. Ob jemand Rechte hat oder in einem Land heimisch sein kann, dürfe nicht von der Religion abhängen.
Synodalität im Alltag
Wolf verlangte von der Kirche, den synodalen Gedanken entschiedener in die Praxis umzusetzen. Der Synodale Weg in Deutschland habe wichtige Gespräche in Gang gebracht, auch wenn womöglich andere Methoden mehr gebracht hätten. Synodalität dürfe nicht auf Beratungsgremien beschränkt bleiben, sondern müsse sich im Alltag in Begegnungen auf Augenhöhe zeigen. Bei kirchlichen Veranstaltungen sehe er oft, dass Geistliche und Ehrenamtliche jeweils unter sich bleiben. Beide Seiten sollten sich zuhören, Neues voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung tragen.
Der Diözesanpastoralrat soll sich im November konstituieren. Wolf rief die Mitglieder des Diözesanrats auf, die Delegierten mit Bedacht zu wählen. Das neue Gremium solle die synodale Zusammenarbeit im Bistum stärken.
Auf einen Blick
- Termin: Freitag, 16. Oktober
- Ort: Exerzitienhaus Himmelspforten, Würzburg
- Anlass: Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg
- Konstituierung des Diözesanpastoralrats: im November
Eigene Einschätzung
Wolf spannt einen weiten Bogen, vom Algorithmus bis zum Gemeindealltag. Am konkretesten wird er bei der Kirche selbst: Dass Geistliche und Ehrenamtliche oft unter sich bleiben, lässt sich leicht beheben, wenn man es wirklich will. Bei Sozialreformen und KI bleibt es dagegen bei Leitplanken ohne konkrete Maßnahmen. Offen ist, wie das Bistum seine sozialen Leistungen künftig sichern will.













