Bayreuth – PM 077/26
Wasser ist lebenswichtig. Welche Herausforderungen erwarten uns in der Zukunft? Welche Strategien braucht es, um unsere Wasserversorgung widerstandsfähig und zukunftssicher aufzustellen?
Diese Fragen, Lösungsansätze und Praxisbeispiele diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der oberfränkischen Kommunen, öffentlichen Wasserversorger und Behörden beim 16. Wasserforum Oberfranken.
Herausfordernde Zeiten
Der Sommer 2026 hat neue Rekorde gesetzt. Der Deutsche Wetterdienst hat den Sommer 2026 als einen der wärmsten, trockensten und sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 eingestuft. In Oberfranken zeigt die Bilanz ein Defizit von 18 Prozent bei den Niederschlägen in den Sommermonaten Juni, Juli und August 2026 im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971 bis 2000. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits da“, bilanzierte Thomas Engel, Regierungsvizepräsident von Oberfranken. Im bayernweiten Vergleich waren die Niederschlagsdefizite in Oberfranken zwar am geringsten, die Auswirkungen sind aber dennoch deutlich spürbar: Fehlende Niederschläge und lange Hitzeperioden führen zu einer stärkeren Verdunstung und lassen Wasserstände sinken. So zeigen 80 Prozent der Grundwassermessstellen niedrige bis sehr niedrige Wasserstände in Bayern, an fast jeder zehnten Messstelle wird derzeit sogar ein neuer Niedrigstwert erfasst.
Dennoch gab es in den Hitzephasen bei den knapp 200 oberfränkischen Wasserversorgern keine gravierenden Versorgungsprobleme. Eine Umfrage der Regierung von Oberfranken zeigt aber auch, dass etwa 1/3 der Wasserversorger an ihre Auslastung stoßen. Wenn die Hitze anhält, steigt der Wunsch nach Abkühlung. Die Folge sind immer häufigere Spitzen bei der Wasserabgabe.
Zusammenarbeit und Vernetzung
Gleichzeitig wächst die hybride Bedrohung. Wasserversorgungsunternehmen planen mit Ausfallszenarien. Ob Klimakrise, Bedrohungslage oder technischer Defekt – eine sichere Wasserversorgung braucht mehrere Standbeine. Dazu gehören verschiedene Möglichkeiten der Wassergewinnung, eine bessere Vernetzung und interkommunale Zusammenschlüsse. „Diese unterstützt der Freistaat finanziell mit den RZWas und fachlich mit den Wasserversorgungsbilanzen“ so Roland Kriegsch, Leiter des Referates Grundwasserschutz und Wasserversorgung am Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Die RZWas sind die Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben. Sie legen fest, für welche wasserwirtschaftlichen Maßnahmen staatliche Zuschüsse gewährt werden. Wasserversorgungsbilanzen zeigen, wie viel Wasser künftig benötigt wird und ob ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Strukturkonzepte betrachten ergänzend mögliche Verbünde auf regionaler und bayernweiter Ebene – immer mit dem Ziel, die Trinkwasserversorgung zukunftssicher zu machen.
Erfahrungsaustausch und Praxisbeispiele
Mehr Ausfallsicherheit und eine widerstandsfähige Trinkwasserversorgung erfordern entsprechende Investitionen. Neben einer Förderung im Rahmen der RZWas gibt es weitere Möglichkeiten zur Finanzierung notwendiger Maßnahmen. Eine davon stellte Babett Biedermann vom Referat „Wasserversorgung“ beim Bayerischen Landesamt für Umwelt vor. Sie wies darauf hin, dass auch die Bundesmittel für die Wassersicherstellung in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt worden sind. Damit stehen den Kommunen zusätzliche finanzielle Spielräume zur Verfügung, um ihre Wasserversorgungsanlagen besser gegen Ausfälle zu schützen und die Versorgung auch in Krisensituationen zuverlässig aufrechtzuerhalten.
In Oberfranken erfolgt die Trinkwasserversorgung überwiegend ortsnah aus Brunnen und Quellen. Etwa 80 Prozent des Trinkwassers werden so gewonnen und vor Ort an die Verbraucherinnen und Verbraucher abgegeben. Für kleinere Wasserversorger kann es jedoch eine große Herausforderung sein, den Betrieb ihrer Anlagen rund um die Uhr sicherzustellen. Wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Praxis aussehen kann, erläuterte der Bürgermeister der Gemeinde Weißenohe, Daniel Trübenbach, am Beispiel der Gemeinden Igensdorf und Weißenohe. Beide Kommunen betreiben ihre Wasserversorgungsanlagen in einem gemeinsamen Kommunalunternehmen. Dadurch lassen sich Aufgaben effizienter organisieren, personelle Ressourcen besser nutzen und Kosten reduzieren.
Für die meisten Menschen ist eine jederzeit verfügbare Wasserversorgung selbstverständlich. Damit das auch künftig so bleibt, stehen die Kommunen vor vielen Aufgaben und müssen kontinuierlich in ihre Infrastruktur investieren. Diese Investitionen sind entscheidend, um die Wasserversorgung dauerhaft zu sichern und auch kommenden Generationen eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser zu gewährleisten. Welche Herausforderungen damit verbunden sind, schilderte der Bürgermeister der Gemeinde Seybothenreuth, Stefan Roder, am Beispiel der notwendig gewordenen Sanierung eines Brunnens des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Seybothenreuther Gruppe.
Hintergrund
Das jährliche Wasserforum Oberfranken ist die zentrale Informations-veranstaltung im Rahmen der "Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für Oberfranken" der Regierung von Oberfranken, die durch das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziert wird. Es dient als Austauschplattform für Wasserversorger, Kommunen und Behörden und informiert über aktuelle Themen rund um Trinkwasserversorgung und Grundwasserschutz.







