Lohr am Main – Mit der Verleihung des vierten Lohrer Lesepreises ist am Sonntag, den 18. Oktober, das vierte Kinder- und Jugendliteraturfestival in Lohr a.Main zu Ende gegangen, wie die Stadt Lohr am Main mitteilte. Das Festival lief vom 14. bis 18. Oktober und stand unter dem Leitgedanken „Demokratie (er)leben“. Nach Angaben der Stadt besuchten mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler aus der Stadt und der Umgebung die Veranstaltungen.
Das Programm sprach verschiedene Altersgruppen an: Märchen für die Jüngsten, Fantasy, Poetry Slam, politische Sachbücher und aktuelle Jugendromane standen auf dem Plan. Unter den Gästen befanden sich die Autorinnen Katja Brandis und Leonie Paar, die Künstlerin Lila Sovia sowie der Autor und Publizist Philipp Ruch.
Krystyna Kuhn, Autorin und eine der Veranstalterinnen, nannte die Tage „anstrengend, nachdenklich, vergnüglich, oft emotional“. Gerade Eltern hätten ihr gespiegelt, wie stark die Angebote bei jungen Menschen ankamen. Mit Stadthalle, Schulen und einem bestehenden Netzwerk bringe Lohr nach ihrer Einschätzung sehr gute Voraussetzungen mit. Ihr Fazit: „Lohr kann das“.
Preis für „Fair ohne Kompromisse“
Der Lesepreis ging an die Autorin Nina Weger für ihr Jugendbuch „Fair ohne Kompromisse“. Die Jury beschäftigte sich mit 20 Jugendbüchern aus dem Erscheinungsjahr 2025, die zum Festivalmotto passten, und diskutierte darüber. Besonders beteiligt war die Jugendjury. Für sie sprach Lex Lasarev: Das Buch wende sich direkt an Jugendliche und frage in einer modernen Robin-Hood-Geschichte, ob der Zweck die Mittel heilige.
Für Weger war es eine besondere Bestätigung, dass junge Leserinnen und Leser ihr Buch ausgewählt haben. Das Preisgeld von 2.000 Euro stiftete die Unterfränkische Kulturstiftung. Thomas Schiebel überreichte den Preis.
Grußworte zur Leseförderung
Landrat Christoph Vogel sagte, Bücher öffneten neue Welten, brächten Wissen und führten zu anderen Sichtweisen. Kindern und Jugendlichen helfe das Lesen dabei, Informationen einzuordnen, nachzufragen und eine eigene Meinung zu entwickeln. Leseförderung leiste damit auch einen Beitrag zur Demokratiebildung.
Thomas Schiebel, Vizepräsident des Bezirkstags von Unterfranken, betonte den Wert von Lese- und Medienkompetenz. Bei künstlicher Intelligenz und der Fülle digitaler Inhalte gehe es darum, Inhalt und Absicht von Informationen zu begreifen und sie kritisch zu prüfen. Dabei kämen Erwachsenen eine wichtige Vorbildrolle zu.
Der Erste Bürgermeister Dirk Rieb sagte: „Lohr liebt Literatur“. Das Festival sei in den vergangenen Jahren ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt geworden. Es freue ihn, dass es zunehmend junge Menschen anspreche. Danken wollte er den Mitarbeitern der Stadt und der Stadthalle, den Schulen und Lehrkräften, den Förderern, Partnern und den Gästen auf der Bühne, vor allem aber den Kindern und Jugendlichen.
Förderer und Partner
Neben der Stadt Lohr unterstützen das Festival das Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, von der Unterfränkischen Kulturstiftung, von der Raiffeisenbank Main-Spessart eG sowie von der Sparkassenstiftung für den Landkreis Main-Spessart. Ebenfalls unterstützen der Rotary Club, die Gustav-Woehrnitz-Stiftung, die Gerd-Rexroth-Stiftung sowie die Jugendstiftung des Landkreises Main-Spessart die Veranstaltung.
Auf einen Blick
- Festival: 14. bis 18. Oktober, Lohr a.Main
- Das Leitthema lautet „Demokratie (er)leben“
- Lesepreis: 2.000 Euro, gestiftet von der Unterfränkischen Kulturstiftung
Hintergrund
Unter Leseförderung fasst man laut Wikipedia in der Pädagogik alle Maßnahmen zusammen, die bei Kindern und Jugendlichen mehr als die reine Lesefähigkeit wecken wollen: Antrieb, Interesse und dauerhafte Freude an Büchern und Literatur. Lesen gilt dort als Schlüsselkompetenz, etwa für gesellschaftliche Teilhabe oder den schulischen Erfolg.
Als Orte der Leseförderung nennt der Artikel unter anderem die Schule, Bibliotheken sowie schulische oder außerschulische Lese-Wettbewerbe.
Zur Medienkompetenz schreibt das Portal gesund.bund.de, gemeint sei ein bewusster, kritischer und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien. Dazu gehöre auch, Botschaften nicht einfach hinzunehmen, sondern nachzuschauen, wer dahintersteckt und welche Absichten verfolgt werden.
Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt, politische Bildung und Medienbildung seien eng miteinander verknüpft. Die Förderung von Medienkompetenz sei eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am Diskurs der Informationsgesellschaft.
Eigene Einschätzung
Das Festival verbindet Literatur mit der Frage, wie junge Menschen sich eine Meinung bilden. Die Jugendjury als Teil der Preisvergabe ist dafür ein stimmiger Ansatz. Aus der Mitteilung geht nicht hervor, wie die Schulklassen ausgewählt wurden und wie es mit dem Festival weitergeht. Das wäre für interessierte Eltern und Lehrkräfte nützlich zu wissen.













