Bayreuth – PM 074/26
Die Regierung von Oberfranken und die Streuobstberatung haben alte Obstsorten in der Landschaft kartiert. Der Pomologe Hans-Joachim Bannier war dazu vom 22. bis 24. September 2026 in ausgewählten Gebieten der Landkreise Bayreuth, Forchheim und Bamberg unterwegs und hat Früchte von mehr als 500 alten Apfel- und Birnenbäumen bestimmt. Neben vielen bekannten Sorten entdeckte er dabei auch echte Raritäten – darunter die lange verschollene älteste deutsche Apfelsorte „Edelborsdorfer“.
Zahlreiche Hinweise auf alte Obstbäume
Schwerpunkte der Sortenerfassung waren die Gemeinden Ahorntal, Mistelgau, Kunreuth und Litzendorf. Aufrufe in den Gemeindeblättern brachten zahlreiche Hinweise auf interessante Altbäume. „Es waren so viele, dass wir leider nur einen Teil der Flächen aufsuchen konnten“, berichtet Dominik Frieling, Streuobstkoordinator an der Regierung von Oberfranken. Von weiteren Flächen holten die Streuobstberater im Vorfeld Fruchtproben, die anschließend von den Sortenexperten bestimmt wurden.
Ziel der Sortenerfassung ist es, alte, im Handel nicht mehr verfügbare Streuobstsorten wieder zu vermehren und in die Landschaft zu bringen. Seltene Sorten fanden die Fachleute bei Altbäumen in allen drei Landkreisen an Feldrainen und Wegrändern. Im Landkreis Bayreuth unter anderem die seltene Apfelsorte „Echter purpurroter Cousinot“, im Landkreis Forchheim den „Roten Bellefleur“ und im Landkreis Bamberg den erwähnten „Edelborsdorfer“.
„Der Edelborsdorfer ist nicht nur die älteste noch bekannte Apfelsorte, er gilt auch als besonders robust gegenüber vielen Krankheiten. Bäume dieser Sorte können uralt werden“, sagt Stefan Grundner, Streuobstberater im Landkreis Bamberg. Doch auch nicht eindeutig bestimmte Bäume können interessant sein: „Wenn einzelne Bäume an einem schwierigen Standort gut dastehen und gesunde, gut schmeckende Früchte tragen, wollen wir diese weitervermehren“, so Amrei Schindelmann, Streuobstberaterin für den Landkreis Bayreuth.
Alte Birnbäume als genetischer Schatz
Auch bei den alten Birnbäumen stießen die Fachleute auf beeindruckende Exemplare. Die mächtigen Bäume zeugen von der früheren Nutzung als Most-, Brenn- oder Dörrbirnen. „Wenn wir die Sorten besonders wüchsiger und gesunder Bäume kennen, hilft uns das vielleicht dabei, robuste Ausgangsbäume für die Vermehrung zu finden, die weniger empfindlich auf den Birnenverfall reagieren“, so Frauke Gabriel, Streuobstberaterin des Landkreises Forchheim. Die bestandsbedrohende Krankheit wird durch lange Trockenperioden begünstigt und breitet sich derzeit bei Birnen stark aus.
Hans Joachim Bannier gilt als einer der führenden Pomologen – also Kenner von Obstsorten – in Deutschland. Unterstützt wurde Bannier bei der Sortenbestimmung von Pomologen aus der Region. Gemeinsam mit der LWG (Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau) hat er die aktuelle Sortenliste mit Empfehlungen für Streuobstpflanzungen in Bayern bearbeitet.
Die Regierung von Oberfranken hat die Sortenerfassung gemeinsam mit der Streuobstberatung an den unteren Naturschutzbehörden in Bayreuth, Forchheim und Bamberg sowie der Bamberger Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege organisiert. Finanziert wird das Projekt vom Bayerischen Umweltministerium. Unterstützt wurde es von den Landschaftspflegeverbänden der drei Landkreise, der vhs Forchheim sowie dem Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf.
Wer seine Äpfel bestimmen lassen möchte, hat dazu auch bei einigen Apfelmärkten in den kommenden Wochen Gelegenheit, unter anderem beim Bayreuther Apfelfest auf dem Lindenhof und beim Bamberger Apfelmarkt in Schönbrunn im Steigerwald am 11. Oktober 2026.
Sortenbestimmung eines Apfels
(v. links): Frauke Gabriel (Streuobstberaterin Landkreis Forchheim), Marco Fuchs und Hans-Joachim Bannier (Pomologen), Janine Ziermann (LPV Weidenberg)



